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Buchrezension: Dalai Lama & Laurens van den Muyzenberg, Führen, gestalten, bewegen: Werte und Weisheit für eine globalisierte Welt

Barbara Hofmann-Huber schreibt im Coachingbüro-Blogvon Barbara Hofmann-Huber am 7. Oktober 2008

Der erfahrene Managementberater van den Muyzenberg hat Führung und vor allem die Entwicklung einer Führungspersönlichkeit zu seinem Thema gemacht. Wie gelingt es, die der Führung innewohnende Verantwortung zu tragen, die ständigen Dilemmata, die in sich widersprüchlichen Anforderungen und die sich ständig verändernden Herausforderungen der globalisierten Wirtschaft zu meistern? Diese Fragen brachten ihn in Kontakt mit dem Dalai Lama, dem spirituellen, religiösen und auch politischen Oberhaupt der Tibeter, des tibetischen Buddhismus. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer zwanzigjährigen Diskussion der beiden über wirtschaftliche und spirituelle Verantwortung.

Der Charakter des Dialogs ist im Lesen immer nachvollziehbar und durch unterschiedliche Schrifttypen kenntlich gemacht. Obwohl das den Lesefluss immer wieder ein wenig schwergängig macht, lohnt sich die Mühe. Vor allem wenn Sie Führung nicht nur als selbstbezogene Machtausübung verstehen, sondern Ihnen die Verantwortung für die Konsequenzen Ihrer Handlungen bewusst ist und am Herzen liegt, werden Sie belohnt. Das Buch zeigt auf, wie sehr Ihre Kompetenz dadurch gewinnt, dass Sie über die Stärkung der Fähigkeit, in schwierigen Situationen innere Zentrierung zu bewahren, qualitativ höherwertige Entscheidungen treffen können.

Zunächst werden die Grundzüge der buddhistischen Sicht der Selbstführung ausführlich beschrieben. „Rechte Anschauung und rechtes Handeln“ sind die zentralen Begriffe. Gemeint ist damit die richtige Ansicht, die sich aus drei Ergebnissen zusammensetzt: 1. Nichts ist von Dauer, das Leben ist ein Prozess der ständigen Wandlung und Veränderung. 2. Nichts existiert nur für sich allein, das Thema der gegenseitigen Abhängigkeiten und 3. Alles hat eine Ursache. Dieses prozesshafte Denken schult eine Fähigkeit, die für den Umgang mit Komplexität in der Führung sehr zentral ist: es gibt kein festes Ziel und keine Patentrezepte, stattdessen geht es darum, ein sich bewegendes und sich ständig veränderndes Ziel im Auge zu behalten und dennoch in der aktuellen Situation immer wieder klare Handlungen vorzunehmen, Entscheidungen zu treffen und diese umzusetzen.

Das Spannende ist dabei, dass sich diese Erkenntnisse mit den neueren Forschungen über die Wirkungsweise des Hirns decken. D.h. es geht auch um das Wissen, wie Sie als Führungskraft Ihr Hirn in einen optimierten Arbeitsmodus bringen können. Die Umsetzung dieses Wissens und konkrete Übungen dazu, werden ebenfalls dargelegt.

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Thematik der Unternehmensführung. Achtsamkeit ist dabei das Thema und die zentrale Aufgabe. Achtsamkeit ist gemeint als die Fähigkeit, die Realität so zu sehen, wie sie ist – konkret: Optionen in ihren Wechselwirkungen von kurz- und langfristigen Konsequenzen sehen zu können, d.h. Komplexität wahrnehmen zu können und darüber hinaus handlungsfähig zu sein.

Der dritte Teil „Führen in einer vernetzten Welt“ befasst sich mit geopolitischen Themen wie Unternehmertum und Armut, und ist ein begründetes Plädoyer für eine verantwortlich freie Marktwirtschaft. Das „Verantwortliche“, worauf der Dalai Lama viel Wert legt, ist dabei die Anwendung der buddhistischen Prinzipien: gut für sich zu sorgen, jedoch auch für die Mitmenschen. (In dieser Allgemeinheit trifft sich dies übrigens mit der christlichen Tradition). Konkreter als im Christlichen kennt der Buddhismus einen Weg des individuellen Handelns, der eben als „rechte Anschauung und rechtes Handeln“ beschrieben ist. In der Sprache der beruflichen Welt ausgedrückt geht es um eine Steigerung der Selbstwirksamkeit durch Klarheit im Blick auf die eigene Person und die äußere Realität.

Campus Verlag 2008
ISBN 978-3-593-38687-4

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