≡ Menu

Buchrezension: Gerald Hüther, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn

Barbara Hofmann-Huber schreibt im Coachingbüro-Blogvon Barbara Hofmann-Huber am 16. Februar 2003

Vermutlich sind Sie verwundert, diesen Titel auf einer Seite zu Frauen und Karriere zu finden – es ist kein Versehen. Die Absicht ist vielmehr, gerade Ihnen als Frauen die besondere Wertschätzung von Beziehungsarbeit als die eigentlich menschliche Aufgabe ans Herz zu legen. Die beruflichen Strukturen heutzutage sind sehr davon geprägt, handlungs- und zielorientiert und vor allem ein Einzelkämpfer zu sein. Gerade weil Sie sich als Frauen diesen Strukturen immer mehr anpassen, um dort Ihren Einfluss zu erhöhen, ist es sinnvoll die andere Seite der Medaille nicht zu vergessen: Menschsein heißt in Beziehungen zu leben. Die zentrale These von Hüther: Das menschliche Gehirn ist nicht in erster Linie für das analytische Denken konstruiert, sondern als ein Organ, das „psychosoziale Kompetenz“ zusammen fasst. Unser Hirn ist konstruiert, damit wir beziehungsintelligent handeln können. Einige Gründe dieses Buch zu lesen:

  • Karriere ist nicht nur beruflicher Erfolg, sondern auch die Weiterentwicklung und Entfaltung des eigenen, menschlichen Potentials
  • Das Buch macht deutlich, was Frauen, Mütter aber auch beziehungsintelligente Männer dazu beitragen können
  • Ihnen wird als Frau deutlich, welchen wesentlichen Beitrag Sie zur menschlichen Evolution leisten, wenn Sie ihre Individualität, Ihre Kommunikationsfähigkeit und Ihre Sozialkompetenz in den beruflichen Bereich einbringen und darüber hinaus Strukturen im Beruf einfordern, die dies ermöglichen.
  • Vielleicht ermahnt das Buch Sie, einmal im Sturm auf der Karriereleiter inne zu halten, um zu überprüfen, ob diese an der für Sie richtigen Wand lehnt und ob Sie überhaupt auf diesem Weg dahin gelangen können, wo es für Sie persönlich sinnvoll ist anzukommen.

Gerald Hüther ist es gelungen, sehr komplexe Zusammenhänge humorvoll, provokativ und verständlich zu vermitteln. Gerade angesichts der derzeit um sich greifenden Vereinzelung und Konkurrenz, aber auch der Renaissance der „Macht des Stärkeren“, ist dieses Buch ein wesentlicher Hinweis darauf, dass wir unser Hirn in dieser Weise ausgebildet haben, um als Menschen miteinander zu kooperieren. Nur so kann die Komplexität der menschlichen Möglichkeiten voll entfaltet werden. Das Ziel ist, Eigennutz und Gemeinschaftssinn miteinander zu verbinden – und das gilt für Frauen und für Männern gleichermaßen wie für unterschiedliche Kulturen.

Vandenhoeck & Ruprecht 2002
ISBN 3-525-01464-3

Comments on this entry are closed.