Der erfahrene Managementberater van den Muyzenberg hat
Führung und vor allem die Entwicklung einer
Führungspersönlichkeit zu seinem Thema gemacht. Wie gelingt es,
die der Führung innewohnende Verantwortung zu tragen, die
ständigen Dilemmata, die in sich widersprüchlichen Anforderungen
und die sich ständig verändernden Herausforderungen der
globalisierten Wirtschaft zu meistern? Diese Fragen brachten ihn
in Kontakt mit dem Dalai Lama, dem spirituellen, religiösen und
auch politischen Oberhaupt der Tibeter, des tibetischen
Buddhismus. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer
zwanzigjährigen Diskussion der beiden über wirtschaftliche und
spirituelle Verantwortung.
Der Charakter des Dialogs ist im Lesen immer nachvollziehbar
und durch unterschiedliche Schrifttypen kenntlich gemacht.
Obwohl das den Lesefluss immer wieder ein wenig schwergängig
macht, lohnt sich die Mühe. Vor allem wenn Sie Führung nicht nur
als selbstbezogene Machtausübung verstehen, sondern Ihnen die
Verantwortung für die Konsequenzen Ihrer Handlungen bewusst ist
und am Herzen liegt, werden Sie belohnt. Das Buch zeigt auf, wie
sehr Ihre Kompetenz dadurch gewinnt, dass Sie über die Stärkung
der Fähigkeit, in schwierigen Situationen innere Zentrierung zu
bewahren, qualitativ höherwertige Entscheidungen treffen können.
Zunächst werden die Grundzüge der buddhistischen Sicht der
Selbstführung ausführlich beschrieben. „Rechte Anschauung und
rechtes Handeln“ sind die zentralen Begriffe. Gemeint ist
damit die richtige Ansicht, die sich aus drei Ergebnissen
zusammensetzt: 1. Nichts ist von Dauer, das Leben ist ein
Prozess der ständigen Wandlung und Veränderung. 2. Nichts
existiert nur für sich allein, das Thema der gegenseitigen
Abhängigkeiten und 3. Alles hat eine Ursache. Dieses
prozesshafte Denken schult eine Fähigkeit, die für den Umgang
mit Komplexität in der Führung sehr zentral ist: es gibt kein
festes Ziel und keine Patentrezepte, stattdessen geht es darum,
ein sich bewegendes und sich ständig veränderndes Ziel im Auge
zu behalten und dennoch in der aktuellen Situation immer wieder
klare Handlungen vorzunehmen, Entscheidungen zu treffen und
diese umzusetzen.
Das Spannende ist dabei, dass sich diese Erkenntnisse mit den
neueren Forschungen über die Wirkungsweise des Hirns decken.
D.h. es geht auch um das Wissen, wie Sie als Führungskraft Ihr
Hirn in einen optimierten Arbeitsmodus bringen können. Die
Umsetzung dieses Wissens und konkrete Übungen dazu, werden
ebenfalls dargelegt.
Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Thematik der
Unternehmensführung. Achtsamkeit ist dabei das Thema und die
zentrale Aufgabe. Achtsamkeit ist gemeint als die Fähigkeit, die
Realität so zu sehen, wie sie ist - konkret: Optionen in ihren
Wechselwirkungen von kurz- und langfristigen Konsequenzen sehen
zu können, d.h. Komplexität wahrnehmen zu können und darüber
hinaus handlungsfähig zu sein.
Der dritte Teil „Führen in einer vernetzten Welt“ befasst
sich mit geopolitischen Themen wie Unternehmertum und Armut, und
ist ein begründetes Plädoyer für eine verantwortlich freie
Marktwirtschaft. Das „Verantwortliche“, worauf der Dalai Lama
viel Wert legt, ist dabei die Anwendung der buddhistischen
Prinzipien: gut für sich zu sorgen, jedoch auch für die
Mitmenschen. (In dieser Allgemeinheit trifft sich dies übrigens
mit der christlichen Tradition). Konkreter als im Christlichen
kennt der Buddhismus einen Weg des individuellen Handelns, der
eben als „rechte Anschauung und rechtes Handeln“ beschrieben
ist. In der Sprache der beruflichen Welt ausgedrückt geht es um
eine Steigerung der Selbstwirksamkeit durch Klarheit im Blick
auf die eigene Person und die äußere Realität.