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Buchrezension: Frank Schirrmacher, Minimum – Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft

Barbara Hofmann-Huber schreibt im Coachingbüro-Blogvon Barbara Hofmann-Huber am 18. Mai 2006

Provokant, faktenreich und dabei leichtfüßig zu lesen behandelt Frank Schirrmacher das Thema der schrumpfenden und alternden Gesellschaft. Sein Fokus liegt dabei auf den Ressourcen: Welche haben sich in vorangegangenen Katastrophen gezeigt, die für die Bewältigung der aktuellen Krise gebraucht werden? Der Autor zeigt zunächst die großen Familienverbände auf und im genaueren Analysieren die Beziehungskompetenz innerhalb der Familien. Hauptakteurinnen sind Frauen – in der Familie als Mütter, Töchter, Großmütter und Tanten, und über die Familie hinaus mit ihrer Fähigkeit, Familienfreunde in das Netz der Zugehörigkeit zu integrieren. Dies ist notwendig, um die Fremdheit zwischen Menschen zu überbrücken und sich Hilfe und Unterstützung in Krisen und Zeiten materieller Engpässe zukommen zu lassen.

Frank Schirrmacher setzt auf die biologische Frau, obwohl er selbst aufzeigt, wie stark der Rollenwandel bei Frauen zur Verhinderung des Kinderreichtums mit beigetragen hat. Das Zusammenspiel von eigenen Bedürfnissen und dem Wunsch nach sozial angepasstem Verhalten hat bei Frauen das Überleben über Jahrmillionen gesichert. Diese Anpassungsfähigkeit bedeutet heute: wenn die gesellschaftliche Rolle rein wettbewerbsorientiertes Verhalten fordert und beziehungsorientiertes Verhalten diskriminiert und abgewertet wird, so entwickeln Frauen letzteres nicht. Wie „weibliche“ Kulturtechniken wie Spinnen und Weben verloren gehen können, so kann auch die Fähigkeit der sozialen Verantwortlichkeit verloren gehen. Diese Kompetenzen in sich zu schätzen, zu pflegen, zu entwickeln und zu verfeinern, dazu ermutigt dieses Buch. Und darüber hinaus dazu, sich dafür einzusetzen, mit diesen Kompetenzen geachtet zu werden und auch in Unternehmen für ihren Wert für das soziale Miteinander einzutreten. Denn diese emotional kommunikativen Fähigkeiten bilden keinen Gegensatz zu Ziel- und Erfolgsorientierung, sondern den Boden für neue, innovative Synergien zum eigenen und gesellschaftlichen Nutzen.

Karl Blessing Verlag 2006
ISBN 3-89667-291-6

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