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Buchrezension: Susan Pinker, Das Geschlechter-Paradox – Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen

Barbara Hofmann-Huber schreibt im Coachingbüro-Blogvon Barbara Hofmann-Huber am 10. März 2009

Wenn Sie sich für Erklärungen und theoretische Hintergründe interessieren, die das Phänomen Frau und Mann ausleuchten, dann werden Sie Freude an diesem Buch haben. Denn mit sehr viel Erfahrung und Tiefgang nähert sich die Psychologin Susan Pinker einem Thema, das im Business Bereich zu den Tabus gehört: der Unterschiedlichkeit zwischen Frauen und Männern. Um es gleich vorweg zu sagen: das schließt eine Gleichbehandlung bei der Bezahlung und den beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten in keiner Weise aus. Daher auch der Titel: das Geschlechterparadox. D.h. Frauen und Männern sind in sehr vielen Bereichen, die das Arbeitsleben angehen, gleich – und daher geht es auch um gleiche Wahrnehmung und Behandlung. Zugleich gibt es Verschiedenheit. Diese ist bei jeder Frau individuell unterschiedlich ausgeprägt.

Diese Verschiedenheit hat etwas mit der biologischen Differenz, mit Hormonen, mit der Funktionsweise des Gehirns und dem Nervensystem insgesamt. Die Autorin analysiert sehr differenziert, wie sich das in der Arbeitswelt auswirkt. Eine zentrale Erkenntnis ist die, dass Männer polarer in ihren Verteilungskurven sind, d.h. es gibt sehr viel mehr extrem leistungsschwache und leistungsstarke Männer, als welche im Mittelfeld. Frauen haben in den Fähigkeitsfeldern, die mit der Wahrnehmung von Menschen zu tun haben, unausgebildet eine stärkere und differenziertere Ausprägung ihrer Kompetenzen. D.h. nicht, dass ein Mann nicht einfühlsam sein kann. Biologie führt in der deutschen Diskussion oft zu einem Abwehrreflex. Das wird jedoch weder der Realität noch diesem Buch gerecht, denn es polarisiert gerade nicht, sondern ist sehr differenziert recherchiert.

Das Verdienst der Autorin ist, dass sie das bei sehr vielen Frauen vorhandene Phänomen der Unterschiede in der beruflichen Motivation wissenschaftlich untersucht und in allgemein verständlicher Sprache benennt. Dabei ist es zentral zu sehen: Frauen sind in ihren Interessen keine homogene Gruppe. In dem Wissen um Biologie wird oft übersehen, dass es eine sehr breite Auffächerung darin gibt, wie sich diese Phänomene zeigen. Pinker unterteilt in Bezug auf ihre berufliche Motivation Frauen in drei große Gruppen. Die Zahlen, mit denen sie diese Unterteilung belegt, stammen aus den USA. Doch auch nach neueren Untersuchungen aus Deutschland ist die Gruppe zwei gerade unter jungen Frauen die stärkste:

1. die Frauen, die den Erfolg im Beruf an erster Stelle setzten und daher in ihren Lebensentwürfen und Motivationslagen von denen der Männer kaum zu unterscheiden sind. Ca.20%.

2. die Frauen die sich nicht auf ein Ziel focusieren, sondern ihren Lebenserfolg in der Umsetzung ihrer beruflichen Kompetenzen in gleichwertiger Weise zu ihren Wünschen nach Partner und Kindern sehen, also mindestens zwei Ziele ständig in Balance zu halten suchen. Ca.60%.

3. die Frauen, die sich vor allem über ihren Erfolg in der Familienarbeit definieren und deren berufliche Tätigkeit nachgeordnet und dem ersten Ziel untergeordnet ist. Ca. 20%

Pinker benennt, sie begründet und bewertet nicht. Sie gibt Informationen, was womit zusammenhängt, und damit auch indirekt Möglichkeiten der Selbststeuerung. Die Autorin ist Psychologin und Therapeutin und kennt daher aus ihrer Praxis das, was sich auf der biologischen Grundlage an Veränderungsmöglichkeiten erschließt – doch eben erst, wenn die in der physischen Grundlage der Motivation und der Emotion begründeten Antriebe erkannt und deren Steuerung erarbeitet wird.

Das Buch ist vordergründig kein Ratgeber. Die Tipps ergeben sich eher daraus, dass Sie sich einarbeiten, sich besser in Ihrer Motivation verstehen. Ein Beispiel: nur die Gruppe eins liebt den Wettkampf und Konkurrenz als Leistungsanreiz. Die Folge ist, dass die Gruppe zwei, die beruflich ebenso ambitioniert ist und zu der ebenso viele Karrierefrauen gehören, sich immer wieder eigene Wege suchen muss, die Freude an der Arbeit zu erhalten und sich gegen ein für sie anstrengendes Arbeitsklima zu wehren und vor allem dagegen, für weniger leistungsstark gehalten zu werden.

Am Ende des Buches sind viele Beispiele aus der Praxis nochmals zusammengefasst, die Mut machen. Sollten Sie sich der Gruppe zwei zuordnen, dann finden Sie Bestärkung und Anregungen, Ihre hohe berufliche Motivation auf „Ihre“ Weise, auf eine femininere Weise zum Erfolg zu führen.

Deutsche Verlags-Anstalt 2008
ISBN 978-3-421-04361-0

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