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Partner im Leben und im Unternehmen – Wenn es kriselt, dann immer Zuhause und in der Firma

Barbara Hofmann-Huber leitet seit über 30 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann diverse Unternehmen

Barbara Hofmann Huber ist Partnerin im Coachingbüro und leitet den Gender- und Diversity-Schwerpunkt

Es ist gar nicht so selten, dass in Unternehmen Paare gleichberechtigt miteinander arbeiten. Und viele machen

die Erfahrung, dass die berufliche Zusammenarbeit die Partnerschaft sehr bereichert – aber auch eine Vielzahl von Konflikten mit sich bringt. NEWS sprach darüber mit Hans-Georg Huber und Barbara Hofmann-Huber, die miteinander im Coachingbüro Huber & Partner arbeiten.

Was ist anders, wenn man als Paar zusammen im gleichen Unternehmen tätig ist?

Barbara Hofmann-Huber: Ich möchte zunächst die Vorteile betonen. Das Verständnis für den Anderen ist größer, wenn der berufliche Alltag bekannt ist. Sich der gemeinsamen Verantwortung für das Wohl der Mitarbeiter und den Erfolg des Unternehmens bewusst zu sein, schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Beitrag, den jeder der beiden Partner für das Gemeinsame leistet, wird ausgehandelt und ist sichtbar. Und man lernt den Partner in seinen kreativen Seiten kennen zu lernen.

Wodurch entstehen dann die besonderen Spannungen und Konflikte?

Hans-Georg Huber leitet seit über 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau diverse Unternehmen

Hans-Georg Huber ist Gründer und Leiter des Coachingbüros Huber & Partner

Hans-Georg Huber: Häufige Ursache ist die Überforderung, die aus der Verantwortung entsteht. Unternehmerische Verantwortung verlangt ein hohes Maß an Flexibilität, um auf die täglichen Anforderungen reagieren zu können. Gleichzeitig ist jeder Mensch nur begrenzt leistungsfähig. Um dies Dilemma aufzulösen, bedarf es einer sehr klaren Grenzziehung: Arbeiten wir gerade oder haben wir Freizeit, denn die braucht das Unternehmerpaar genau wie jeder andere Mensch zur Regeneration.

Besteht nicht die Gefahr, die Arbeit immer mit nach Haus zu nehmen?

Barbara Hofmann-Huber: Allerdings! Es erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Absprachen miteinander, um die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit einzuhalten. Wir haben uns angewöhnt „anzuklopfen“, wenn in der Freizeit auf einmal eine Idee aufkommt, die wir dem anderen mitteilen wollten. Anklopfen heiß: den anderen zu fragen, ob jetzt Interesse und Kapazität besteht, sich für dieses Thema zu öffnen. Ich habe dabei bewusst das Beispiel der Idee gewählt. Denn es sind nicht nur Probleme, die mit nach Hause gebracht werden, sondern auch innovative Impulse, die dem anderen sofort mitgeteilt werden können – eben anders, als wenn der Mit-Geschäftsführer erst am nächsten Morgen erreichbar ist. Wenn der Andere für die eigene, noch so revolutionäre Idee im Moment nicht zu gewinnen ist, muss man dies akzeptieren lernen.

Was sind für Sie die Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Miteinander in Beruf und Partnerschaft?

Hans-Georg Huber: Viele Paare können sich entweder nur schwer voneinander abgrenzen, oder leben sehr stark ihr eigenes Leben. Hier braucht es konstruktive Lösungen, die sowohl ein Miteinander, als auch die Individualität des Einzelnen ermöglichen. Dabei helfen klare Absprachen und eine gemeinsame Richtung. Es muss geklärt sein, wer innerhalb der Firma und auch innerhalb der Familienarbeit für welche Bereiche, mit welchen Kompetenzen zuständig ist. Jeder Mensch braucht ein eigenes Wirkfeld, ohne dass der andere ständig hineinregiert. Auf der anderen Seite braucht es Einigkeit darüber, dass beide die gleichen Ziele im Bezug auf die Familie und die Unternehmenspolitik verfolgen und sich aufeinander verlassen können.

Welche Auswirkungen hat eine Krise im Unternehmen für die Partnerschaft?

Barbara Hofmann-Huber: Im Idealfall heißt das „gemeinsam am einem Strang ziehen!“. Erfolgreiche Unternehmerpaare tun das ganz instinktiv. Jetzt ist jeder mit seinen unterschiedlichen Stärken gefragt, die sich jedoch gegenseitig bereichern müssen, statt gegeneinander zu gehen. Voraussetzung ist, dass das Paar eine konstruktive Konfliktkultur entwickelt hat, die in der Krise dann zum Tragen kommt. Denn unter Belastung neigen alle Menschen zu einer Verengung ihres Blickfeldes. Dann besteht die Tendenz, auf bewährte Lösungsschritte zu vertrauen. Konstruktive Konfliktkultur bedeutet dann z.B. die Sicht des anderen als eine Ergänzung zu sehen, und dadurch mehr Wahlmöglichkeiten zu haben, statt sich ausgerechnet dann in die Haare zu geraten.

Gibt es Warnsignale, an denen man erkennen kann, dass in der Partnerschaft etwas aus dem Ruder läuft?

Hans-Georg Huber: Es sind dieselben, wie bei anderen Paaren auch. Spannungen, gereizte Stimmung, sich anschweigen, sich aus dem Weg gehen, sich in der Arbeit zu verkriechen. Ich kann nur empfehlen, die Signale ernst zu nehmen, denn oft steht dann die Beziehung UND das Unternehmen auf dem Spiel. Wie Unternehmen brauchen auch Partnerschaften regelmäßige Investitionen.

Barbara Hofmann-Huber: Es bedeutet vor allem anzuerkennen, dass ein Paar Zeit füreinander braucht. Zeit um sich zu vergewissern, dass die Liebe noch lebendig ist und dass beide noch dieselben Ziele verfolgen. Denn ebenso wie in einer guten Beziehung Synergie entstehen kann, wird es gefährlich, wenn es in der Beziehung kriselt.

Die Möglichkeit dem anderen aus dem Weg zu gehen besteht im Grunde nicht. Und das heißt, wenn negative Gefühle, Enttäuschung, Wut, Schmerz vorhanden sind, leidet die Arbeitsfähigkeit darunter. Und die Möglichkeit in der Begegnung mit dem Partner zu entspannen geht verloren. „Wieso bist Du im Unternehmen so gut drauf und zu Hause nur schlecht gelaunt?“ Diesen Vergleich haben andere Paare nicht!

Ist es nach ihrer Erfahrung ein besonderes Glück, miteinander zu leben UND zu arbeiten?

Barbara Hofmann-Huber: „Ich beglückwünsche jedes Paar, das miteinander ein Unternehmen führen kann zu dieser Chance. Es ist eine besondere Möglichkeit sich mit einem Menschen, der einem gefühlsmäßig so nahe steht, auf einem gemeinsamen Interessengebiet und für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Wir erleben dies als etwas sehr Erfüllendes und Sinnvolles. Nutzten Sie diese Chance!“

Goldene Regeln für Unternehmerpaare:

  • Vor allem Respekt für die andere Person und ihre Wahrheit in der Einschätzung der Realität.
  • Akzeptanz, dass jeder so ist wie er oder sie ist. Diese Akzeptanz setzt das beste in jedem frei.
  • Gemeinsame Ziele: Jeder möchte seinen Beitrag leisten, aber jeder hat seine besonderen Stärken und Schwächen. Entsteht Konkurrenz, so verlieren beide.
  • Anerkennung der Grenzen des anderen und der besonderen Bedürfnisse an Regeneration.